Alle Beiträge
KI-Qualität6 Min. Lesezeit

KI im Support kennzeichnen: was Artikel 50 verlangt

Artikel 50 der KI-Verordnung fordert ab August 2026 klare Hinweise bei der Nutzung von künstlicher Intelligenz. So setzt du die Kennzeichnungspflicht um.

Martin Semmele

Eine aufgeräumte Bedienoberfläche eines Kontaktfensters, bei der die Kennzeichnung für künstliche Intelligenz deutlich sichtbar über dem Eingabefeld platziert ist.
Eine aufgeräumte Bedienoberfläche eines Kontaktfensters, bei der die Kennzeichnung für künstliche Intelligenz deutlich sichtbar über dem Eingabefeld platziert ist. · KI-generiert

Wichtige Erkenntnisse

  • Ab dem 2. August 2026 muss die Nutzung künstlicher Intelligenz bei der ersten Interaktion erkennbar sein.
  • Der Betreiber der Seite steht in der Pflicht, nicht der Anbieter des Werkzeugs im Hintergrund.
  • Ein Hinweis im Impressum oder in der Datenschutzerklärung genügt den rechtlichen Anforderungen nicht.
  • Das Entfernen von Herstellerhinweisen löscht oft auch die rechtlich gebotene Kennzeichnung.

Ab August 2026: Die Pflicht zur Kennzeichnung

Kundensupport mit künstlicher Intelligenz ist schnell eingerichtet, bringt aber ab dem 2. August 2026 eine klare gesetzliche Pflicht mit sich. Artikel 50 Absatz 1 der Verordnung (EU) 2024/1689 (europäische KI-Verordnung) schreibt vor, dass Systeme zur direkten Interaktion mit natürlichen Personen so konzipiert sein müssen, dass die betreffenden Personen informiert werden, dass sie mit einem KI-System interagieren1. Dieser Beitrag ordnet die Vorgaben für den Support-Alltag ein und stellt keine Rechtsberatung dar.

Für Support-Leads und Betreiber von Kontaktfenstern ist der Zeitplan eindeutig. Die Pflicht zur offenen Kennzeichnung im Chatfenster greift ab dem Stichtag unmittelbar und ohne Schonfrist für alle laufenden und neuen Systeme. Wer ein automatisiertes Dialogsystem einsetzt, muss Kundinnen und Kunden sofort wissen lassen, woran sie sind.

Die Stichtage im Überblick

BereichStichtagRechtliche GrundlageAnforderung im Support
Transparenzhinweis im Chatfenster2. August 2026Artikel 50 Absatz 1Sichtbarer Hinweis vor oder bei Beginn der Unterhaltung
Maschinenlesbare Markierung alter Systeme2. Dezember 2026Artikel 50 Absatz 2 und Artikel 111Metadaten und Kennzeichnung bei vorbestehenden Systemen

Während technische Metadaten und maschinenlesbare Kennzeichnungen für Systeme, die vor dem 2. August 2026 in Verkehr gebracht wurden, eine Fristverlängerung bis zum 2. Dezember 2026 erhalten, gilt für Interaktionsanwendungen nach Artikel 50 Absatz 1 keine Verzögerung2. Wer den Hinweis am Stichtag nicht anzeigt, verstößt direkt gegen die Verordnung.

Diese Unterscheidung ist wichtig, weil in der Diskussion um das Digital-Omnibus-Paket vom November 2025 haeufig von einer Verschiebung der KI-Verordnung die Rede war. Betroffen waren davon die Pflichten fuer Hochrisiko-Systeme. Die Transparenzpflicht aus Artikel 50 gehoert nicht dazu: sie bleibt am 2. August 2026 verankert. Wer die Meldung ueber eine Verschiebung gelesen hat, sollte sie also nicht auf das Kontaktfenster beziehen.

Verantwortung: Wer den Hinweis anbringen muss

In vielen Teams herrscht der Irrglaube, die Einhaltung der Transparenzpflichten liege allein beim Hersteller der eingesetzten Software. Die Verordnung trennt die Rollen jedoch präzise: Anbieter entwickeln das System oder bringen es unter eigenem Namen in Verkehr, Betreiber nutzen es in eigener Verantwortung im geschäftlichen Alltag2.

Sobald du ein Kontaktfenster auf deiner Internetseite oder in deiner Webanwendung einbindest, handelst du als Betreiber. Die Verantwortung für die korrekte Konfiguration, die angezeigten Begrüßungstexte und die sichtbare Kennzeichnung liegt vollständig bei deinem Unternehmen. Der Werkzeuganbieter stellt lediglich die technische Infrastruktur bereit.

  • Betreiber (dein Unternehmen): Verantwortlich für die Platzierung des Hinweises, die verständliche Formulierung und die korrekte Anzeige im Live-Betrieb.
  • Werkzeuganbieter (Softwarehersteller): Verantwortlich für die Bereitstellung der technischen Schnittstellen, Einstellungsoptionen und Basisfunktionen.
  • Support-Leitung: Zuständig für die regelmäßige Prüfung, ob eigene Textanpassungen den rechtlichen Hinweis im Widget überschreiben.

Wenn dein Team Einstellungen im Verwaltungsbereich anpasst, Textbausteine austauscht oder Gestaltungsvorgaben ändert, musst du sicherstellen, dass die vorgeschriebene Information sichtbar bleibt. Ein Versäumnis lässt sich nicht auf den Softwareanbieter abwälzen.

Der richtige Ort: Direkt bei der ersten Interaktion

Artikel 50 Absatz 5 der KI-Verordnung legt fest, dass die Informationen spätestens zum Zeitpunkt der ersten Interaktion in klarer und eindeutiger Weise bereitgestellt werden müssen1. Für die Benutzeroberfläche bedeutet das: Der Hinweis gehört genau dorthin, wo das Gespräch beginnt.

Startansicht und Rollenbezeichnung

Ein wirksamer Hinweis muss im sichtbaren Bereich des Fensters erscheinen, bevor die ratsuchende Person ihre Nachricht abschickt. Idealerweise kombiniert die Oberfläche zwei Elemente: einen kurzen Hinweis in der Kopfzeile oder Rollenbezeichnung sowie eine klare Begrüßungsnachricht im Gesprächsverlauf.

  • Rollenbezeichnung in der Kopfzeile: Benenne die Funktion transparent (beispielsweise als virtueller Assistent oder automatisierte Hilfe).
  • Startbildschirm im Chat: Platziere einen einleitenden Satz direkt über dem Eingabefeld oder als erste Systemnachricht.
  • Eingabebereich: Halte den Platzhaltertext im Eingabefeld neutral und sachlich.

Warum Impressum und Datenschutzerklärung nicht genügen

Ein Verweis in den Tiefen der Datenschutzerklärung oder im Impressum erfüllt die gesetzlichen Kriterien nicht: Der Hinweis soll direkt zu Beginn der Kommunikation erscheinen und nicht erst in den Geschäftsbedingungen oder der Datenschutzerklärung2. Von Kundinnen und Kunden kann nicht verlangt werden, vor einer simplen Frage rechtliche Dokumente zu durchsuchen. Der Hinweis muss im unmittelbaren Blickfeld der Interaktion stehen. Zudem muss die Schnittstelle geltende Standards für Barrierefreiheit erfüllen, damit Bildschirmleseprogramme die Kennzeichnung erfassen können.

Klare Worte statt fremdsprachiger Floskeln

Transparenz gelingt nur mit verständlicher Sprache. Die Verordnung verlangt, dass die Information in klarer und eindeutiger Weise bereitgestellt wird und den geltenden Barrierefreiheitsanforderungen entspricht1. Vage Umschreibungen oder verschachtelte Schachtelsätze verfehlen diesen Zweck.

In vielen Schnittstellen finden sich standardmäßig englische Verweise auf den Softwarehersteller. Diese kurzen Zeilen wirken oft wie Werbung und erklären selten verständlich, dass eine maschinelle Antwort erfolgt. Verwende im deutschsprachigen Kundendienst durchgehend deutsche, sachliche Formulierungen.

Bereich im FensterUnklare oder fremdsprachige FloskelKlare deutsche Formulierung
KopfzeileHerstellername Support BotAutomatisierte Support-Hilfe
BegrüßungIch bin dein persönlicher Alleskönner.Guten Tag. Dies ist ein KI-gestützter Assistent, der Fragen anhand unserer Hilfedokumente beantwortet.
Hinweis vor EingabeEnglischer Verweis auf die SystembasisAutomatisierte Antwort. Bei komplexen Anliegen übernimmt unser Team.

Verzichte auf übertriebene Versprechen zur menschlichen Qualität der Maschine. Sachlichkeit schafft realistischere Erwartungen und verhindert Frustration bei Kundinnen und Kunden.

Übergabe: Wenn der Mensch das Gespräch übernimmt

Ein gut konfigurierter Support-Prozess beantwortet Routinefragen automatisiert und leitet offene Fälle an das Team weiter. Sobald eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter einsteigt, ändert sich der Charakter der Kommunikation grundlegend.

Die Transparenzpflicht verlangt, dass Kundinnen und Kunden jederzeit wissen, mit wem sie sprechen. Findet ein Wechsel statt, muss dieser im Nachrichtenverlauf unmissverständlich dokumentiert werden. Der richtige Übergabemoment schützt das Vertrauen der Kundschaft.

  1. 01Statuswechsel im System: Das System signalisiert im Verlauf, dass die automatisierte Bearbeitung beendet und das Anliegen weitergeleitet wurde.
  2. 02Namens- und Rollenanzeige: In der Kopfzeile wechselt die Anzeige vom virtuellen Assistenten zum echten Namen des Teammitglieds.
  3. 03Persönliche Begrüßung: Die menschliche Person eröffnet den direkten Austausch mit einer kurzen Nachricht, die den Übergang bestätigt.

Wird dieser Übergang verschleiert oder unklar dargestellt, wissen Nutzende nicht, ob sie noch mit einer Maschine oder bereits mit einem Menschen interagieren. Klare Statusmeldungen schaffen hier sofortige Orientierung.

Die Falle: Eigene Texte löschen den Hinweis

In der täglichen Praxis entsteht das größte Compliance-Risiko selten durch böse Absicht, sondern durch einfache Fehlbedienung im Verwaltungsbereich der Support-Software.

Viele Systeme bieten vorkonfigurierte Hinweistexte, die standardmäßig auf die maschinelle Unterstützung hinweisen. Passt ein Team die Begrüßungsnachricht an die eigene Markenstimme an oder entfernt sichtbare Herstellerlogos, wird die Standardmeldung oft unwissentlich komplett gelöscht. Zurück bleibt ein neutraler Text, der den maschinellen Charakter der Antwort verschweigt.

  • Textprüfung nach jeder Änderung: Kontrolliere nach jeder Anpassung im Dashboard die Live-Ansicht deines Kontaktfensters.
  • Feste Bestandteile im Begrüßungstext: Formuliere eigene Begrüßungen so, dass der Verweis auf das KI-System dauerhafter Bestandteil des Textes ist.
  • Vier-Augen-Prinzip: Lass Konfigurationsänderungen an Widgets und Kontaktformularen vor der Veröffentlichung kurz gegenprüfen.

Wer eigene Texte pflegt, muss die Transparenzkennzeichnung aktiv in die eigenen Vorlagen integrieren. Unternehmen sollten daher prüfen, ob Hinweise in der konkreten Anwendung tatsächlich sichtbar, verständlich und rechtzeitig erscheinen2. Die visuelle Anpassung an das eigene Unternehmensdesign entbindet nicht von der Pflicht aus Artikel 50.

Sicherer Betrieb mit der passenden Plattform

Eine saubere Umsetzung erfordert Software, die flexible Textanpassungen erlaubt und gleichzeitig eine klare Rollentrennung unterstützt. Gute Werkzeuge trennen Begrüßungstexte, Agenten-Rollen und Team-Mitglieder im Posteingang sauber voneinander.

Bei ComLayer sind die beiden Textsorten getrennt, und der Unterschied entscheidet ueber die Kennzeichnung. Die Rollenbezeichnung der antwortenden Seite (KI-Assistentin) kommt aus den mitgelieferten Widget-Texten und laesst sich im Dashboard nicht ueberschreiben; sie verschwindet auch dann nicht, wenn im Tarif Pro das sichtbare Hersteller-Zeichen entfernt wird. Frei bearbeitbar sind dagegen Begruessung, Ueberschrift und Unterzeile — und genau dort steht in der Voreinstellung ein Satz, der vom Team spricht, nicht von einer Maschine. Wer diese Felder umschreibt, sollte den Hinweis auf die automatische Antwort deshalb bewusst darin behalten.

Sobald eine Frage komplexer wird, greift die Uebergabe an den geteilten Posteingang. Die Zeile unter dem Titel im Widget wechselt dabei von der Rollenbezeichnung des KI-Assistenten auf den Hinweis, dass das Team benachrichtigt wurde. Der Wechsel ist damit sichtbar, ohne eine Anwesenheit zu behaupten, die noch niemand zugesagt hat.

Häufig gestellte Fragen

Gibt es eine Übergangsfrist für die Offenlegung im Kontaktfenster?

Nein, die Pflicht zur Erkennbarkeit bei der ersten Interaktion gilt ab dem 2. August 2026 ohne Übergangsfrist. Lediglich die maschinenlesbare Kennzeichnung für bestehende Systeme darf bis zum 2. Dezember 2026 nachgerüstet werden.

Reicht ein allgemeiner Hinweis in der Datenschutzerklärung aus?

Nein. Die Nutzer müssen unmittelbar bei der ersten Interaktion erkennen, dass sie mit einer Maschine kommunizieren. Ein versteckter Hinweis im Impressum oder in den Datenschutzbedingungen erfüllt diese Vorgabe nicht.

Wer ist für die korrekte Umsetzung verantwortlich?

Die Pflicht trifft den Betreiber der Seite. Wenn du einen automatischen Assistenten auf deiner Internetpräsenz einbindest, musst du sicherstellen, dass die Hinweise korrekt und gut sichtbar angezeigt werden.

Was passiert, wenn der Assistent an einen Menschen übergibt?

Sobald ein menschlicher Mitarbeitender das Gespräch übernimmt, muss dieser Wechsel für den Nutzer sofort ersichtlich sein. Das geschieht in der Praxis durch einen deutlich veränderten Status oder einen neuen Namen im Verlauf.

Welche Formulierungen eignen sich für den Hinweis?

Verwende klare, sachliche Begriffe auf Deutsch, wie etwa automatische Antwort oder künstliche Intelligenz. Verzichte auf englische Werbefloskeln, da diese den Sachverhalt für viele Nutzer unnötig verschleiern.

Quellen

  1. 01ai-act-law.eu
  2. 02ihk.de

Kostenlos starten · Keine Kreditkarte

Heute Abend eingerichtet. Morgen früh schon geantwortet.

Widget einbinden, Wissen hinterlegen, fertig — ComLayer übernimmt, auch wenn niemand am Rechner sitzt.